Lotta Gadola
Hochschule Luzern

Max von Moos-Förderpreis 2018

Die Max von Moos Stiftung hat zum Ziel, das Werk des bedeutenden Luzerner Künstlers mit Publikationen, Ausstellungen und Veranstaltungen zu würdigen. Max von Moos lehrte von 1933 bis 1965 an der Kunstgewerbeschule Luzern, der Vorgängerinstitution der jetzigen Hochschule Luzern Design & Kunst. Sie haben die Gelegenheit, sein Werk in diesem Jahr in der grossen Surrealismus-Ausstellung im Kunsthaus Aarau zu sehen. Ich habe auch ein paar Publikationen unseres letzten Projektes mitgebracht, den von Peter Fischer verfassten Katalog über Max von Moos' zeichnerisches Werk. Die Stiftung vergibt aber seit 2010 auch den Max von Moos-Förderpreis im Betrag von CHF  5000.– an eine Master-Studienabgängerin oder einen Studienabgänger in Fine Arts der Hochschule Luzern, Design & Kunst, mit dem Schwerpunkt Art in Public Spheres und Art Teaching. Diesen Preis vergeben wir heute zum neunten Mal.

Lotta-Gadola_Stansstad

Die Jurierung fand gestern in Stansstad statt. Es konnten sich zehn Studierende mit ihren Abschlussarbeiten der Jury stellen, die jeweils aus dem Stiftungsrat besteht. Diesem gehören als Präsident Stefan G. Schulz sowie Gabriela Christen und ich an. Begleitet hat uns Sabine Gebhardt Fink, die den Studiengang gemeinsam mit Peter Spielmann leitet. Besten Dank an die beiden für die Moderation. Vielen Dank auch an alle Studentinnen und Studenten, die uns ihre eindrücklichen Arbeiten vorgestellt haben. Den diesjährigen Förderpreis 2018 vergibt die Max von Moss Stiftung an Lotta Gadola. Ganz herzliche Gratulation.

Lotta Gadolas Abschlussarbeit hat den Titel »Head Down«. Sie hat beim ehemaligen Bahnhofsgebäude und beim Landesteg grossformatige Fotoarbeiten in die Fensternischen platziert, die die Künstlerin in verschiedenen, etwas speziellen Körperhaltungen zeigen. Auf den ersten Blick denken wir an eine seltsame Gebärdensprache. Da der Blick der Künstlerin jedoch nicht auf ein Gegenüber gerichtet ist, sondern gegen sich selbst bezw. auf eine imaginäre Stelle zwischen den Fingern, hat diese Kommunikation etwas leicht Autistisches. Es sind körperliche Manifestationen, an die wir uns im öffentlichen Raum eigentlich schon längst gewöhnt haben. Lotta Gadola zeigt in ihren Fotografien Körperhaltungen, die wir beim Kommunizieren mit unserem Handy einnehmen, jedoch ohne dieses Gerät mit ins Bild zu nehmen. Was wir sehen ist jene seltsame Fingerakrobatik und Verrenkungen des Körpers, die uns im Alltag normal, auf ihren Fotografien jedoch völlig absurd erscheinen. Eines der Bilder aus ihrer Serie richtet unseren Blick auf ihre Wirbelsäule. Hier wird uns bewusst, welche physiologischen Veränderungen die Technik auf diesen menschlichen Körper auszuüben imstande ist und wie heikel das Verhältnis zwischen Kommunikationsmittel und Körper ist. Beim Kommunizieren mit dem Handy wird dieser Körper verkrümmt und verkrampft. Lotta Gadolas performative Inszenierung vor der Kamera kann man im Kontext der skulpturalen Darstellung des menschlichen Körpers sehen, wenn sie so wollen als Living Sculptures. Das Detail der Handstellungen erinnert aber auch auf das in der Malerei verbreitete Motiv der »Gesten«, des Sprechens mit Bewegungen und Haltungen des Körpers. Leonardo fand übrigens, das schaue man sich am besten bei Stummen ab, da seien Haltungen und Gesten besonders augenfällig. Womit wir vielleicht mit der eingangs beschriebenen Assoziation an die Gebärdensprache doch nicht so falsch liegen. Lotta Gadolas Abschlussarbeit hat die Jury auf jeden Fall mächtig angeregt über Kunst, Kommunikation und die Wahrnehmung des Gegenübers im öffentlichen Raum nachzudenken.
Der Stiftungsrat der Max von Moos Stiftung gratuliert Lotta Gadola zu ihrer herausragenden Abschlussarbeit und freut sich ihr den diesjährigen Max von Moos-Förderpreis übergeben zu dürfen.

Christoph Lichtin, Stiftungsrat der Max von Moos Stiftung, 22. Juni 2018

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