Sebastian Haas
Hochschule Luzern

Max von Moos-Förderpreis 2021

Sebastian HaasDie Max von Moos-Stiftung hat zum Ziel, das Werk des bedeutenden Luzerner Künstlers mit Publikationen, Ausstellungen und Veranstaltungen zu würdigen. Max von Moos lehrte von 1931 bis 1969 an der Kunstgewerbeschule Luzern, der Vorgängerinstitution der heutigen Hochschule Luzern Design & Kunst. Aufgrund dieser Verbindung vergibt die Max von Moos-Stiftung seit 2010 jährlich den Max von Moos-Förderpreis in der Höhe von CHF 5000.– an eine Master-Studienabgängerin oder einen Studienabgänger in Fine Arts der Hochschule Luzern, Design & Kunst, mit dem Schwerpunkt «Art in Public Spheres, Art Teaching and Critical Image Practices». Vor einem Jahr fand die Jurierung wegen der Pandemie per Zoom statt. Dieses Jahr war es glücklicherweise wieder möglich, den Absolventinnen und Absolventen und ihren Abschlussarbeiten physisch zu begegnen. Der Ausstellungsort rsp. die Orte und Nischen im Netzwerk Neubad boten dafür einen anregenden und aussergewöhn- lichen Rahmen. Von den dunklen Kellerräumen über den belebten Bistrobereich bis ins lichte Obergeschoss des ehemaligen Hallenbads wurden wir von Monica Studer und Christoph van den Berg zu den zehn nominierten Studentinnen und Studenten geführt. An dieser Stelle danken wir den beiden Kunstschaffenden und Dozierenden wie auch der Studiengangleiterin Sabine Gebhardt Fink und der Direktorin Gabriela Christen bestens für die Moderation, Organisation und Begleitung. Ein grosser Dank geht an alle zehn Absolventinnen und Absolventen, die uns ihre eindrücklichen Arbeiten engagiert vorgestellt haben.


Sebastian HaasDer diesjährige Förderpreis der Max von Moos-Stiftung geht an Sebastian Haas.

Herzliche Gratulation!

Sebastian Haas hat für die Abschlussausstellung Liminoid eine Werkserie von Hinterglasmalereien geschaffen und sie präzise entlang der Glasfassade im Obergeschoss des Neubads gesetzt. Die rückseitig mit Öl und Sprühlack bemalten Glasscheiben strahlen durch ihr schmales, aber hohes Format – die Höhe entspricht derjenigen einer durchschnittlich grossen Person – eine starke Präsenz aus. Angelehnt an die Fensterscheiben der Neubad-Hülle, wirken die Hinterglas- malereien skulptural und erscheinen ebenso stabil wie fragil. Das für das Ausstellungsthema und den Ausstellungsort programmatische Fluide, Transitorische, findet sich auch in den diaphanen Arbeiten von Sebastian Haas in konzeptueller, inhaltlicher und technischer Art. Die bemalten und bearbeiteten Glasscheiben spiegeln so stark, dass die Betrachtenden sich je nach Standort selbst im Bildraum erkennen können und als Spiegelbild flüchtiger Teil der Komposition werden. Die gewollte Verformung des Trägers, d.h. der Glasscheiben, führt dazu, dass sich durch die Diffraktion unerwartete Reflexionen des Lichts ergeben, wodurch immer wieder neue Bildwirkungen entstehen und neue Seh-Erfahrungen gemacht werden können. Sebastian Haas setzt die Farben reduziert ein. Er malt abstrakt, bisweilen sind saloppe Gesten zu entdecken, dann wieder unterbrechen präzise Linien die malerischen Flächen Verschiedentlich sind auch Ausschnitte der unbemalten Glasscheibe in die Komposition eingebunden, was zu reizvollen Durchsichten führt. Den Künstler interessieren die Kippmomente zwischen abstrakter Malweise und figurativ-gegenständlichem Erkennen. Trotz der Abstraktion strebt Sebastian Haas in einer grösstmöglichen Reduktion einen gegenständlichen Bezug zur Realität an, der von den Betrachtenden gelesen und immer wieder neu gesehen werden kann. Sebastian Haas’ Hinterglasmalereien faszinieren durch das überzeugende Zusammenwirken von malerischer Sinnlichkeit und der durch die glatte Oberfläche des Glases gegebenen Coolness.

Die Max von Moos-Stiftung gratuliert Sebastian Haas zu dieser herausragenden Werkserie und freut sich, den diesjährigen Preis einem Abgänger übergeben zu können, der mit einer zeitgenössischen Haltung die Möglichkeiten der Malerei reflektiert und weiterführt und von dem wir hoffentlich noch viel sehen und hören werden.

Patricia Bieder, Stiftungsrätin der Max von Moos-Stiftung, 27. Juni 2021

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